Dieses Jahr fällt der Wahltag der Landtagswahl auf den 8.März, ein Zufall mit Symbolkraft. Der 8.März ist mehr als nur ein ‘Blumentag’, er ist ein Kampftag gegen die Wirkmechanismen des Patriarchats und eine Erinnerung an das Versprechen der Gleichberechtigung. Auch wenn diese im Grundgesetz verankert ist, sieht die Realität noch anders aus. Das lässt sich empirisch an Daten zum Equal Pay, Femiziden (Durch Frauenhass motivierte Morde) oder Verteilung der Care-Arbeit erkennen. Wir Grüne stehen seit Gründung für eine echte Gleichstellung – sozial, wirtschaftlich und politisch.
Ein Blick in die Geschichte
Seit dem 19. Jahrhundert hat die Frauenbewegung in Deutschland gleiche Rechte gefordert. Kurz nach Ende des ersten Weltkrieges, am 30. November 1918 trat dann das neue Wahlrecht in Kraft, bei dem erstmals auch Frauen an Wahlen teilnehmen durften. Die erste Wahl, in der das neue Wahlrecht zum Einsatz kam, war die Wahl zur Nationalversammlung am 19. Januar 1919. Von den 423 gewählten Abgeordneten waren 37 Frauen. Doch nach diesem Erfolg für die Frauenbewegung, dauerte es mehrere Jahrzehnte bis Gleichstellung wieder ein politisch verfolgtes Ziel darstellte. Während die Nationalsozialisten unter Adolf Hitler die Demokratie faktisch auflösten und das Ideal der Hausfrau verbreiteten, war an politische Teilhabe nicht zu denken. Erst am 1. Juli 1958 konnte mit dem Inkrafttreten des Gleichberechtigungsgesetzes ein weiterer Erfolg des Feminismus verzeichnet werden. Auch wenn die Gleichberechtigung dank der Beharrlichkeit Elisabeth Selberts im Grundgesetz verankert ist, sah die Realität noch ganz anders aus. Daher zielt das neue Gesetz auf den Abbau patriarchaler Privilegien und der Verwirklichung der Gleichberechtigung ab. Durch dieses Gesetz waren Frauen befugt, ihr Vermögen in der Ehe selbst zu verwalten, und durften (unter Vorbehalt der Vereinbarkeit von Familie und Beruf) arbeiten gehen, ohne dass der Mann ihr Arbeitsverhältnis aufkündigen konnte. Auch stand der Frau nun rechtlich die Hälfte des ehelichen Vermögens zu. In den folgenden Jahren wurden nach und nach weitere Verbesserungen geschaffen, die insbesondere auch der strukturellen Benachteiligung der Frau entgegenwirken sollen, wie das Mutterschutzgesetz 1968, der Mutterschaftsurlaub 1979 oder das 2. Gleichberechtigungsgesetz 1994. Erst 1996 wurde auch Vergewaltigung in der Ehe unter Strafe zu stellen (einige Abgeordnete haben auch gegen das Gesetz gestimmt – wie etwa Friedrich Merz und Horst Seehofer).
Und wie steht Deutschland im Vergleich? Fast schon progressiv wirkt es im Vergleich zum Nachbar Schweiz, die das Frauenwahlrecht erst 1971 verabschiedet hat. Und auch heutzutage gibt es noch viele Länder, in denen Frauenrechte stark eingeschränkt sind, wie beispielsweise in Afghanistan, wo Frauen weitgehend von jeglicher politischen Teilhabe und Bildung ausgeschlossen sind seit der Machtübernahme der Taliban.
Das zeigt zweierlei auf: Demokratie ist nicht selbstverständlich, und genauso wenig sind es Frauenrechte, welche insbesondere in autoritären Regimes den Namen nicht verdienen.
Vergessene Frauen
Auch insgesamt waren es in der Geschichtsschreibung oftmals Frauen, die übergangen wurden oder deren Leistungen im Vergleich zu der von Männern nicht gewürdigt wurde. Das “Representation Project” hat fetsgestellt, dass nur 0,5% der aufgezeichneten Geschichte von Frauen handelt! Sagt dir beispielsweise der Name Elisabeth Selbert etwas? Falls nicht, geht es dir vermutlich wie den meisten Menschen. Elisabeth Selbert war verantwortlich für den im Grundgesetz verankerten Satz “Männer und Frauen sind gleichberechtigt”. Sie konnte sich mit Frauenrechtsorganisationen und anderen Abgeordneten nach mehreren gescheiterten Abstimmungen durchsetzen und legte die Grundlage der rechtlichen Gleichberechtigung.
Vermutlich kennst du allerdings die Namen Watson & Crick, die beiden Männer, die für ihre Entdeckung der DNA-Struktur den Nobelpreis erhalten haben. Weniger bekannt ist allerdings, dass ihre ‘Entdeckung’ zu großen Teilen auf den Forschungsergebnissen von Rosalind Franklin basiert, ohne dies kenntlich zu machen. Rosalind Franklin hätte der Nobelpreis demnach eigentlich zustanden. Bis diese Fahrlässigkeit öffentlich bekannt wurde, war Rosalind Franklin allerdings bereits gestorben an den Folgen ihrer auf Strahlung basierten Forschung.
Und wusstest du, dass es eine Frau war, welche die Dinosaurier entdeckt hat? Mary Anning (1799-1847) hat professionell Fossilien gesammelt und hat als erste Belege für ausgestorbene Arten geliefert – zu einer Zeit, in der noch angenommen wurde, dass unbekannte Fossilien einfach einer noch unentdeckten Art entstammen.
Bestehende Ungleichheit heute:
Auch heute noch existiert Ungleichheit und Diskriminierung Frauen gegenüber. Dies lässt sich besonders gut anhand der Daten des Statistischen Bundesamtes messen. Am 27. Februar ist beispielsweise der Equal Pay Day, also der Tag, bis zu welchem Frauen umsonst arbeiten, da sie durchschnittlich 16% weniger Gehalt bekommen. Das ist einerseits aufgrund struktureller Probleme, also der gesellschaftlichen Faktoren, die beeinflussen, welche Berufe Frauen ausüben, und andererseits aufgrund ungleicher Bezahlung bei gleicher Leistung. Die strukturellen Einflüsse bei der Berufswahl lassen sich besonders am Anteil der Frauen in MINT-Berufen, der Berufe in den Feldern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, festhalten – 2024 waren nur 11,4% der Beschäftigten weiblich.
Auch was die politische Teilhabe angeht, ist noch lange keine Parität erreicht. Im Bundestag stellen Frauen 2025 nur 32,4% der Abgeordneten und im Kreisrat in Rottweil sind nur 6 der 46 Abgeordneten Frauen! Wenn man es genau nimmt, gibt es im Kreisrat nur ein Drittel mehr Frauen, als Männer die Thomas heißen! Und das liegt sicher nicht daran, dass Frauen schlechtere Politik machen würden, Studien beweisen sogar das Gegenteil!
Auch wirtschaftlich tragen Frauen nicht die Hälfte der Verantwortung, beispielsweise waren 2024 nur 29,1% der Führungspositionen von Frauen besetzt.
Ein weiteres Herzensthema von uns ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Im Jahr 2024 haben 48,6% der Frauen zwischen 15-65 Jahren einen Teilzeitjob ausgeübt – im Vergleich zu 11,7% der Männer derselben Altersgruppe. Das weist auf einen überdurchschnittlich hohen Anteil der Carearbeit durch Frauen hin.
Aufgrund dieser bestehenden Ungleichheiten setzen wir uns für Paritätsquoten als Übergangsinstrument ein, einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf aufgrund gesicherter Kinderbetreuung und einer gleichen Bezahlung für gleiche Arbeit.
Warum am 8.März grün wählen?
Wir Grüne setzen den Kampf für Gleichberechtigung fort, für uns ist das eine zentrale Frage unserer Demokratie und prägt unser politisches Selbstverständnis. Unser Ziel ist, dass Frauen und Männer so leben können, wie sie wollen und dass Frauen die Hälfte der Macht übernehmen. In der Landtagswahl setzen wir uns deshalb für paritätisch besetzte Listen ein, im Kreis Rottweil ist unsere Zweitkandidatin Sonja Rajsp-Lauer. Wir kämpfen für Parität, Lohntransparenz, Gewaltschutz und reproduktive Selbstbestimmung, sowie soziale Sicherheit. Feminismus ist immer noch aktuell! Damit wir weiter für die Belange von Frauen und Minderheiten einstehen können, brauchen wir deine Stimme am 8. März! Frauenrechte sind Menschenrechte.

Artikel kommentieren