Vom „Dachstuhl der Qual“ und hohen Denkmal-Hürden: Grüne und SPD+FFR besichtigen Spital

Martin Stockburger, Gründer und Geschäftsführer der Koncept Hotels, nahm sich am verganenen Dienstag viel Zeit, die Fraktionen von Grünen und SPD+FFR samt Anhang durch die Baustelle seines neuen Hotels im ehemaligen Spital zu führen. Eine riesige Baustelle, immerhin hat das Gebäude, aus dem Jahr 1570 den nach der Zehntscheuer größten erhaltenen Dachstuhl Rottweils. Einen „Dachstuhl der Qual“, so nannte ihn Stockburger, denn die Zimmerleute hatten hier allerhand zu tun, Teile des Gebälks waren jahrelang hinter Verkleidungen vermodert und mussten ersetzt werden. Bevor die Handwerker hier oben loslegen konnten, wurde ausgeräumt: Die Vertreterinnen der Rottweiler Museen und Kirchen fanden hier allerhand, auch Teile des Herrenkramerschen Kripples.

Der Denkmalschutz machte Stockburger arg zu schaffen, wie er erzählte: War vor Baubeginn alles geklärt und auch finanziert, gab es danach einen Wechsel der Sachbearbeiter und damit neue Auflagen, die die Arbeiten 300.000 Euro teurer machten und die Bauzeit um drei Monate verlängerten. So habe man erst abgesprochen, dass die Dachrinnen aus bemaltem Zink sein dürfen, danach wurde reines Kupfer verlangt, wie Stockburger berichtete – 78.000 Euro Mehrkosten. Auch sei im hinteren Bereich des Gebäudes zunächst Außendämmung erlaubt gewesen, später dann nicht mehr – also brauchte es Innendämmung. „Das war ein Wahnsinnsaufwand, um die Energieeffizienz zu erreichen.“ 

Fast kurios war seine Beschreibung, wie Brand- und Denkmalschutz sich gegenseitig widersprechen können. So sei für den sicheren Abtransport von Liegenden im Brandfall eigentlich eine große Außentreppe nötig gewesen, die aber mit dem Denkmalschutz nicht vereinbar war. Also musste die Vertreterin des letzteren zustimmen, dass die Fenster in den Dachgauben größer gemacht wurden – groß genug nämlich, um jemanden liegend hinauszubringen. Für Martin Stockburger in diesem Fall ein Vorteil. Auch, dass entgegen der Hoffnungen von Historiker Stefan King keine Malereien unter den vielen Schichten abgehängter Decken herauskamen. Die seien wohl, als das Gebäude 1980 von der Stadt zum Pflegeheim umgebaut wurde, ebenso entfernt worden wie viele andere historischen Bauteile. „Die Stadt hat damals wohl ziemlich radikal durchsaniert“, so Stockburgers Fazit. Und nein, er hätte Deckenmalereien, so sie vorhanden wären, nicht saniert, sondern hinter Trockenbau versteckt – der Aufwand wäre sonst viel zu groß geworden. Ohnehin war der riesig, auch ein zehn Meter langer und 100 Tonnen schwerer Stahlträger musste eingebaut werden, um die Statik zu sichern. Und 100 Container Material rausgeschafft – nicht nur Decken, sondern auch Wände waren teilweise unter mehreren Schichten Gipskarton und anderem verborgen. „Erst als alles raus war, hatte ich das Gefühl, hier atmen zu können“, so Stockburger, gebürtiger Rottweiler mit schönen Erinnerungen an das Spital nicht nur an der Fasnet.

Er machte auch deutlich, dass sein Hotel durchaus 100 Zimmer haben könnte, er sich aber auf 49 beschränkt. Aus Rücksicht auf die anderen Hoteliers in der Stadt, wie er betonte: Mit günstigeren Preisen „würden wir den anderen das Geschäft kaputt machen.“ Und das sei nicht in seinem Sinn: „Ich glaube ans Karma!“ Dafür gabs von den Gästen Beifall. Auch die Idee, das leerstehende Hotel zum Sternen zu übernehmen, sei im Raum gestanden. Doch nach seinen Erfahrungen mit dem Denkmalschutz habe er das abgehakt. 

Er hätte gern mehr historische Bauteile sichtbar gelassen, betonte Stockburger, doch aus Brand- und Lärmschutz sei das nicht möglich gewesen. Dafür können die Gäste später mit QR-Codes Filme über die Geschichte des Hauses anschauen. „So können Sie verstehen, was hier war, dass hier geboren und gestorben wurde.“ Sein eigener „Manuel-Hagel-Moment“ sei gewesen, sich selbst in einer Badewanne auf dem Balkon Richtung Stadtmauer vorzustellen. Doch das habe weder seine Frau erlaubt noch seien die Installateure von der Idee angetan gewesen. 

Und dann war da noch das Thema Prostitution, denn ins neue Hotel kann man personallos einchecken. Aber nur mit Kreditkarte, und das sei in solchen Fällen ja eher nicht gewünscht. „Wir fragen die Daten der Gäste ab.“ Wenn jemand über ein Buchungsportal mit Paypal bezahle, „dann fragen wir nach.“ Zudem würden alle öffentlich zugänglichen Räume, auch die Flure, kameraüberwacht. „Und die Reinigung ist sowieso analog, nicht digital“, so Stockburger schmunzelnd. 25 bis 30 Arbeitsplätze wird es hier geben, meist Teilzeitjobs, und auch ein Teil der Gewerbesteuer fließt nach Rottweil, obwohl die Firmenzentrale der Hotelkette in Leverkusen ist.

Dass die Spitalkapelle als solche erhalten bleibt und hier auch wieder Gottesdienste geplant sind, freute die Gäste ebenso wie die Info, dass Stockburger schon mit Gastronomen verhandelt und das Lokal dann für alle offen sein wird, nicht nur für Hotelgäste. Nach der geplanten Inneneinrichtung gefragt, betonte Martin Stockburger, dass er hier durchaus „ein Stück weit provokante“ Vorstellungen habe, zu denen auch Larven aus dem Herrenkramerschen Fundus gehören, die bei der Sanierung gefunden wurden. Und dass bei allem auf Nachhaltigkeit und Regionalität geachtet werde.

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