21 der besten Pressefotos der Welt sind noch bis Sonntag in den Katakomben unter der Dunninger Christophorus-Kapelle zu sehen. Auf Einladung der Rottweiler Grünen führte Dr. Christian Weimar vom Heimat- und Kulturverein Dunningen am Mittwochabend durch die Ausstellung.
Das Foto aus dem Jahr 1973 ist legendär: Ein schreiendes, nacktes vietnamesisches Mädchen, das aus dem von Napalm-Bomben getroffenen Dorf flieht. Auch das des chinesischen Mannes, der sich mit seinen Einkaufstaschen vor die Panzer auf dem Tian’anmen-Platz in Peking stellt, und von dem bis heute niemand weiß, was aus ihm geworden ist. Da ist aber auch der junge Nordire mit Gasmaske vor dem Schriftzug „We want Peace“, und die Afghanin, die vor ihrem Mann floh und von den Taliban wieder eingefangen wurde. Und der ihr Mann dann Nase und Ohren abschnitt. Oder die schwerverletzte hochschwangere Frau, die aus einem von russischen Bomben getroffenen Krankenhaus getragen wird. Das Baby starb am selben Tag, die Mutter am Tag darauf. Eindrucksvolle Blicke in die Zeitgeschichte, festgehalten in Momenten – Christian Weimar erzählte auch, wie schwierig es war, diese Bilder nach Dunningen zu bekommen. Denn die preisgekrönten Bilder der World Press Foundation werden normalerweise nur in hohen Räumen gezeigt, nicht in Katakomben wie hier in Dunningen. Überhaupt sieht man sie ganz selten in Ausstellungen: Die ICONIC-Ausstellung wurde außerhalb der Dauerausstellung in Amsterdam an genau an drei Orten weltweit gezeigt, nämlich in Ravenna, in Wesel am Niederrhein und in Dunningen.
Doch es geht nicht nur um tolle Fotos, wie Dr. Weimar den Besuchern erklärte. Es geht um die Pressefreiheit: Die World Press Foundation unterstützt auch Teams, die aus Krisengebieten berichten, um der Welt zu erzählen, was da passiert. Und damit geht es auch um Demokratie, denn die Fotografien erzählen von Protestbewegungen, von Apartheid und Migration, von Unterdrückung und Widerstand ebenso wie von den menschlichen Folgen von Kriegen und Konflikten. Im Anschluss an die Führung sprachen die Teilnehmer lange auch über die Entwicklung der Presse hier in der Region, darüber, dass fast alle lokalen Zeitungen im Land von nun von Ulm aus gemacht werden und damit beinahe gleichgeschaltet sind. Zumindest monopolisiert. Und über die Befürchtung, dass es hierzulande bald keine lokalen Zeitungen mehr geben wird – was für die Demokratie schlimme Folgen haben kann.
Wer die Ausstellung in Dunningen noch sehen möchte: Das ist möglich bis Sonntag täglich von 11 bis 18 Uhr.

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